Nach Monaten der Stille gibt es Anzeichen neuer Bewegung im europäischen Dossier zum Financial Data Access (FiDA). Seit die Trilog-Verhandlungen im Juni 2025 ins Stocken geraten sind, waren die Fortschritte begrenzt. Die Gespräche zwischen Parlament, Rat und Kommission führten bislang zu keinem klaren Endergebnis. Kürzlich hat die Europäische Kommission ein neues Diskussionspapier mit Anpassungen veröffentlicht. Das Ziel ist klar: den Prozess neu zu starten und auf eine politische Einigung hinzuarbeiten.
Politischer Druck: weniger Regeln, geringere Belastung für Unternehmen
Der Kontext, in dem sich FiDA entwickelt, hat sich verändert. Forderungen nach Deregulierung werden lauter. Deutschland spielt dabei eine Schlüsselrolle. Als größte Volkswirtschaft der EU und eines der einflussreichsten Mitgliedstaaten im Rat hat seine Position direkten Einfluss auf die Umsetzbarkeit europäischer Regulierung.
Die Haltung von Friedrich Merz, die auf eine Reduzierung von Regulierung und administrativen Belastungen für Unternehmen abzielt, findet in ganz Europa Anklang. Dies spiegelt die grundlegende Kritik an FiDA wider: zu komplex, zu breit und zu belastend für den Markt.
Die Position Deutschlands wirkt damit faktisch als politischer Anker in den Verhandlungen. Ohne Bewegung aus Deutschland ist eine Einigung zu FiDA kaum vorstellbar.
Von ambitioniert zu umsetzbar: FiDA wird pragmatischer
Der überarbeitete Ansatz der Kommission markiert einen klaren Wandel. FiDA bewegt sich weg von einem ambitionierten und relativ schwergewichtigen Open-Finance-Rahmen hin zu einem pragmatischeren, marktorientierten Modell.
Zentrale Elemente sind ein enger gefasster und weniger belastender Anwendungsbereich, reduzierte Anforderungen an die Weitergabe historischer Daten, stärkerer Schutz kommerziell sensibler Daten, eine gestufte und besser handhabbare Umsetzung, weniger Bürokratie sowie mehr Spielraum für marktgetriebene Standards.
Gleichzeitig bleiben Spannungen bestehen. Die verpflichtende Datenweitergabe ist weiterhin Teil von FiDA – genau dort liegt ein Großteil des Widerstands. Zudem schafft FiDA eine zusätzliche Regulierungsebene neben bestehenden Rahmenwerken wie PSD2 und der DSGVO.
Was ändert sich an der FiDA-Verordnung konkret?
Das Non-Paper enthält eine Reihe gezielter Anpassungen, um den Rahmen schlanker und praktikabler zu gestalten. Die folgenden neun Punkte fassen die wichtigsten Änderungen an FiDA im Überblick zusammen:
1. Reduzierter Anwendungsbereich
Der Anwendungsbereich wird reduziert, indem bestimmte Akteure und Datensätze ausgeschlossen werden, etwa Ratingagenturen, große Unternehmen und kleinere Finanzinstitute. Weitere Ausnahmen, z. B. für kleine Versicherungsvermittler, werden geprüft. Das senkt Komplexität und Compliance-Aufwand.
2. Eingeschränkte Anforderungen an historische Daten
Die Anforderungen an historische Daten werden eingeschränkt. Statt umfangreicher Datensätze über lange Zeiträume wird ein gestufter Ansatz mit kürzerem Rückblick diskutiert, z. B. zwei Jahre. Beendete Verträge werden häufig ausgeschlossen. Das reduziert Kosten und Datenschutzbedenken.
3. Schutz proprietärer Daten
Nur Daten, die nicht wesentlich verarbeitet wurden, fallen in den Anwendungsbereich. Dadurch werden angereicherte oder proprietäre Daten geschützt und Wettbewerbsvorteile gewahrt.
4. Marktgetriebene Standards und APIs
Die Entwicklung von Standards und APIs wird teilweise an den Markt delegiert, etwa über europäische Standardisierungsorganisationen. Gleichzeitig werden detaillierte EU-Vorgaben reduziert. Das erhöht Flexibilität und senkt Top-down-Regulierung.
5. Einführung über vier Jahre
FiDA wird in drei Phasen über etwa vier Jahre eingeführt. Zunächst werden Data Sharing Schemes aufgebaut, danach folgt der verpflichtende Datenaustausch. Nach jeder Phase bewertet die Kommission den Fortschritt und kann Anpassungen vornehmen. Das reduziert Umsetzungsrisiken.
6. Absage an einen rein nachfragebasierten Ansatz
Ein alternativer Ansatz, bei dem Daten nur bei nachgewiesener Marktnachfrage geteilt würden, wird ausdrücklich abgelehnt. Dadurch wird eine Fragmentierung zwischen Mitgliedstaaten verhindert und die Rechte der Kunden bleiben zentral.
7. Rolle großer Technologieunternehmen
Die Rolle großer Technologieunternehmen wird zunehmend diskutiert. Optionen reichen von eingeschränktem Datenzugang bis hin zu Lizenzbeschränkungen. Ein Konsens besteht noch nicht, das Thema steht jedoch klar auf der Agenda.
8. Vereinfachte Lizenzierung
Der Lizenzierungsprozess für Anbieter von Finanzinformationsdiensten wird vereinfacht, unter anderem durch die Nutzung bestehender PSD2-Informationen und weniger Doppelverfahren. Das reduziert den Verwaltungsaufwand.
9. Datenhalter als Datennutzer
Ein wichtiger Grundsatz bleibt unverändert: Datenhalter können – mit Kundeneinwilligung – auch selbst auf Daten anderer zugreifen. Damit werden klassische Finanzinstitute sowohl zu Datenanbietern als auch zu Datennutzern.
Strategische Auswirkungen für Finanzinstitute
Auch wenn das überarbeitete FiDA-Modell schlanker wird, bleiben die strategischen Auswirkungen erheblich. FiDA ist nicht nur eine Compliance-Übung, sondern ein weiterer großer Schritt hin zu datengetriebenen Finanzökosystemen.
Obwohl FiDA politisch noch in Bewegung ist, sollten Finanzinstitute bereits jetzt ihre Umsetzungsbereitschaft bewerten.
Wichtige Handlungsfelder für die FiDA-Vorbereitung im Überblick:
- Überprüfung der Datenarchitektur im Unternehmen
- Bewertung von API-Reifegrad und Interoperabilität
- Stärkung von Einwilligungs- und Identitätsmanagement
- Analyse von Data-Governance-Rahmenwerken
- Identifikation proprietärer vs. teilbarer Datensätze
Der überarbeitete Rahmen eröffnet zudem potenzielle Chancen, etwa neue datengetriebene Services, personalisierte Finanzprodukte und zukünftige Monetarisierungsmodelle rund um kundeneinwilligungsbasierte Datenzugriffe.
Frühe Vorbereitung kann Unternehmen helfen, Implementierungskosten zu senken, fragmentierte Transformationsinitiativen zu vermeiden und sich strategisch in entstehenden Open-Finance-Ökosystemen zu positionieren.
Fazit: FiDA ist nicht aufgegeben, sondern wird neu ausgerichtet. Die Europäische Kommission bewegt sich in Richtung eines pragmatischeren Ansatzes, der Umsetzbarkeit und politische Unterstützung priorisiert.
Der überarbeitete Rahmen reduziert Komplexität und Implementierungsaufwand für Marktteilnehmer erheblich. Der Grundgedanke eines verpflichtenden, standardisierten Finanzdatenaustauschs bleibt jedoch bestehen.
Damit bleibt die strategische Richtung klar: Europa bewegt sich weiter in Richtung Open Finance.
Institute, die FiDA nur als Compliance-Thema betrachten, riskieren, die breitere strukturelle Transformation hin zu interoperablen Finanzökosystemen zu verpassen.
Während sich die Regulierung weiterentwickelt, sollten Unternehmen die aktuelle Übergangsphase nutzen, um ihre strategische Positionierung zu überprüfen, ihre Datenfähigkeiten zu stärken und sich auf zukünftige Open-Finance-Betriebsmodelle vorzubereiten.
Bei Thede Consulting unterstützen wir als Teil der Projective Group Finanzinstitute dabei, regulatorische Veränderungen in umsetzbare Geschäfts- und Technologiestrategien zu überführen – von Data- und API-Readiness-Assessments bis hin zu Open-Finance-Target-Operating-Modellen und Implementierungs-Roadmaps.
Häufige Fragen zu FiDA (FAQ)
Was ist FiDA (Financial Data Access)?
FiDA steht für Financial Data Access und bezeichnet einen EU-Verordnungsrahmen, der den Zugang zu und die Weitergabe von Finanzdaten regeln soll. Ziel ist ein europäisches Open-Finance-Ökosystem, in dem Kundinnen und Kunden ihre Finanzdaten mit ihrer Einwilligung teilen können.
Was ändert sich an der FiDA-Verordnung 2025/2026?
Die Europäische Kommission richtet FiDA pragmatischer aus: engerer Anwendungsbereich, reduzierte Anforderungen an historische Daten, stärkerer Schutz proprietärer Daten, marktgetriebene Standards und eine gestufte Einführung über etwa vier Jahre.
Wie unterscheidet sich FiDA von PSD2?
Während PSD2 vor allem den Zugang zu Zahlungskontodaten regelt, weitet FiDA den Datenzugang auf ein deutlich breiteres Spektrum von Finanzprodukten aus – etwa Sparen, Investitionen, Versicherungen und Kredite.
Was sollten Finanzinstitute jetzt tun?
Institute sollten frühzeitig ihre Datenarchitektur, API-Reife, Einwilligungs- und Governance-Prozesse bewerten, um Implementierungskosten zu senken und sich strategisch im Open-Finance-Markt zu positionieren.
Wir übersetzen Komplexität in Strategie: Unser Payment 360°-Workshop
FiDA ist neben den aktuellen Payment-Themen wie dem digitalen Euro, EUDI Wallet und PSD3 Teil unseres Payment 360°-Workshops. Es geht darum konkrete Antworten zu finden: Welche Payment-Entwicklungen sind für Ihr Portfolio wirklich relevant? Wie bewerten Sie verschiedene Szenarien und Timelines? Und welche strategischen Handlungsfelder leiten sich daraus ab? Das Format: halbtags, fokussiert auf Ihre Situation, mit Outside-In-Perspektive statt Theorie. Das Ziel: eine klare Einordnung der Marktentwicklungen im Kontext Ihres aktuellen Portfolios und Ambitionsniveaus, damit aus Komplexität eine handlungsfähige Strategie wird.

Eike Maybaum

Carolin Peters